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Zweites Leben für 
E-Mobil Batterien

Die Batterien der ersten Postroller haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Nun sollen sie als stationäre Speicher für Solarstrom dienen.

Umweltbewusste Pöstler

Vor dem Hauseingang knattert das aufgebockte Töffli im Leerlauf, während der Postbote die Couverts in die Brief- kästen steckt. Diese vertraute Szene ist in den letzten zehn Jahren selten geworden: 2006 stieg die Schweizer Post zuerst auf zwei- und dann auf dreirädrige Elektroroller um.

Heute sind rund 6000 elektrische Postroller auf Schweizer Strassen unterwegs: fast lautlos und betrieben mit Ökostrom. Die täglichen Lade-Entlade- Zyklen setzen den Akkus aber zu. Die Batterien der ersten Postroller haben heute nur noch rund 80 Prozent ihrer ursprünglichen Speicherkapazität. Für Zustelltouren reicht das nicht mehr, aber als stationäre Speicher taugen sie noch längst. Die Post testet deshalb bis Frühling 2019 eine Zweitnutzung der Akkus. Drei dieser sogenannten Second-Life-Akkus sind seit Mai letzten Jahres in einem Gebäude der Post in Neuenburg in Betrieb. Dort speichern sie tagsüber Strom aus einer Photovoltaik-Anlage, nachts laden sie Elektroroller. Ein ähnlicher Speicher mit E-Batterien der Post ist in der Umwelt Arena Schweiz in Spreitenbach in Betrieb.

 

Mit den pro Jahr ausgemusterten Postroller-Akkus könnten jeweils rund 200 stationäre Speicher mit 10 Kilowattstunden und einer Lebensdauer von 15 Jahren gebaut werden. Der Bedarf für Akkus dieser Grösse wird in den kommenden Jahren zunehmen. Immer mehr Hausbesitzerinnen möchten möglichst viel Strom vom Dach selbst nutzen. Auch ökologisch macht die Zweitnutzung Sinn: Die graue Energie für die Herstellung der Batterien verteilt

sich auf eine längere Lebensdauer. Ob sich die Second-Life-Akkus auch wirtschaftlich durchsetzen können, ist noch offen. Um die Speicher zuverlässig zu betreiben, braucht es ein Batteriemanagementsystem. Das gibt es nicht gratis.

 

Dagegen werden die Preise von neuen Heim-Batteriespeichern in den nächsten Jahren voraussichtlich sinken, da viele Grossfirmen in deren Entwicklung investieren. Trotz ökologischer Vorzüge ist es deshalb nicht sicher, dass die Second-Life-Akkus sich durchsetzen. Für die Post böte sich dann die Alternative, die Gebraucht- Akkus zu recyceln und die verbauten Rohstoffe wiederzuverwerten. 

Text: Marion Elmer