Mit Klimaschutz Milliarden sparen

Photo: Waldemar Brandt auf Unsplash
Photo: Waldemar Brandt auf Unsplash

Voraussichtlich im Juni stimmt die Schweiz über das CO2-Gesetz ab. Dass es zur Abstimmung kommt, ist dem Referendum zu verdanken, das hauptsächlich von der Erdöl-Lobby und anverwandten Branchen getragen wird. Im Referendumskomitee vertreten sind u.a. Autohändler, der Verband Schweizer Flugplätze, der Nutzfahrzeugverband, Swissoil und die Kaminfeger. Ja, die Kaminfeger. Sie bangen offenbar um ihre Existenz: Wenn Öl- und Gasheizungen grossflächig durch Wärmepumpen ersetzt werden, gibt’s nichts mehr zu fegen.

Die Grundhaltung des Referendumskomitees ist: Die Schweiz ist bereits vorbildliche Klimaschützerin und braucht mithin nichts weiter zu tun. Und überhaupt, Klimaschutzmassnahmen machen einzig dem Gewerbe das Leben schwer, behindern die Wirtschaft und belasten das Portemonnaie der Bevölkerung massiv. 

 

Eine neue Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW kommt nun zu ganz anderen Schlüssen. Sie hat verschiedene Massnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen untersucht und deren Kosten für die Wirtschaft im Jahr 2030 berechnet. Würden die Massnahmen ab heute umgesetzt, blieben anstelle der «massiven Belastungen» unter dem Strich volkswirtschaftliche Kosteneinsparungen von rund einer Milliarde Franken. 

Die grössten Sparmöglichkeiten bieten Verkehr und Heizung. Und das ohne grossen Aufwand. Würden zum Beispiel ab sofort alte Öl- und Gasheizungen zu 90 Prozent mit Wärmepumpen ersetzt oder konsequent auf Elektromobilität gesetzt, fielen Kosten in Milliardenhöhe weg. Denn die neuen Technologien verursachen weit tiefere Betriebs- und Unterhaltskosten. Kaminfegen etwa. Die Studie zeigt auch auf, wie rentabel ein sehr viel schnellerer Ausbau der Solarenergie wäre. Der durchaus wünschenswerte Nebeneffekt all dieser Massnahmen: Allein mit moderner Technik könnten im Jahr 2030 13,6 Millionen Tonnen Treibhausgase vermieden werden. Sparpotenzial und positiver Klimaeffekt sind umso grösser, je schneller die Massnahmen umgesetzt werden. 

 

«Die Studie zeigt, dass die Technologien und Lösungen für eine vollständige Dekarbonisierung von Wirtschaft und Gesellschaft vorhanden sind und immer günstiger werden», sagt Stefan Batzli, Geschäftsführer von AEE Suisse, der Dachorganisation der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz, die die Studie begleitet hat. «Nur wird bis dato viel Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Dabei lohnt sich Klimaschutz.» Wesentliche Faktoren für die Wirtschaft seien verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Und genau das soll das neue CO2-Gesetz bringen. «Es ist der nächste logische Schritt in die richtige Richtung, und ich bin zuversichtlich, dass die Schweizer Bevölkerung es annehmen wird.»

 

Die Studie wirft auch einen genauen Blick auf Suffizienz-Massnahmen. Würde etwa weniger Auto gefahren, Wohnräume etwas weniger beheizt und pro Person weniger Wohnfläche in Anspruch genommen, sänken die Emissionen innerhalb der Schweiz um 5,3 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente und im Ausland um 17,3 Mio. Tonnen. Weitaus am meisten bringt jedoch weniger fliegen. «Diese eingesparte Menge an Treibhausgasen ist vergleichbar mit den gesamten Emissionen, welche durch die technischen Massnahmen, die im ersten Teil dieser Studie untersucht wurden, im Jahr 2030 eingespart werden können», schreiben die Autoren. 

 

Man muss nicht Forscherin sein, um zu begreifen, dass die Kosten eines ungebremsten Klimawandels mit jedem Tag steigen. Kurzfristiges Profitdenken ist hier wirklich völlig fehl am Platz. Anstatt also in Obstruktion zu machen, sollten sich die Kaminfegerinnen, die Autohändler und Ölverkäuferinnen gescheiter auf neue Technologien, innovative Ansätze und die Chancen einlassen, die der Umbau der Wirtschaft auf Klimaneutralität bietet.  

Christa Dettwiler