Heiss: Spitzenwerte, Rekorde

Bild: Zoltan Tasi auf Unsplash
Bild: Zoltan Tasi auf Unsplash

Nun ist es amtlich: Laut Forschenden des Copernicus Climate Change Service der Europäischen Union kletterten die durchschnittlichen globalen Oberflächentemperaturen schon zu Beginn des Monats Juni um 1,5 Grad über das vorindustrielle Niveau. Das ist eine Premiere. Allerdings bedeuten diese Ausreisser nach oben noch kein Verfehlen des Pariser Abkommens. Aussergewöhnlich ist jedoch, dass diese Erwärmung im Sommer festgestellt wurde. Die früheren Spitzenwerte von über 1,5 Grad wurde sonst alle im Winter oder im Frühling gemessen.

So oder so: Der Temperaturanstieg bedeutet einen neuen globalen Hitzerekord für Juni. Aufgrund des Wetterphänomens El Niño dürfte das nicht der letzte Rekord gewesen sein. Denn laut Samantha Burgess, stellvertretende Direktorin des Copernicus-Programms ist  «die Erwartung, dass 2024 noch wärmer sein wird als 2023, während sich diese El-Niño-Phase weiterentwickelt». Und das bedeutet nichts Gutes für den Planeten Erde, denn: «Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Grad der globalen Erwärmung und der Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen.»

 

Auch die World Meteorological Organisation (WMO) warnt laut und deutlich vor einem weiteren globalen Temperaturanstieg. Mit grösster Wahrscheinlichkeit werde das angestrebte 1,5 Grad Ziel in den nächsten fünf Jahren verfehlt. Noch wird dieser Wert nur zeitweise überschritten, doch die WMO fürchtet, dass er nur allzu bald dauerhaft fallen wird. In ihrem Report schreibt sie, dass die Hitzewellen der vergangenen Jahre nur der Anfang waren. Auch sie erwähnt El Niño, der rund um den Planeten die Erwärmung noch massiv verstärken wird. Dieses Wetterphänomen, das sich über dem Pazifik entwickelt, hat die drei Jahre dauernde La Niña Phase abgelöst, die eher für kühlere Temperaturen gesorgt hat. 

 

Petteri Taalas, Generalsekretär der WMO warnt vor den Folgen: «Ein zunehmender El Niño wird sich in den nächsten Monaten entwickeln und wird die menschengemachten Einflüsse auf das Klima noch verstärken, um die globalen Temperaturen in unbekanntes Gelände zu drücken. Das wird massiven Druck auf Gesundheit, Nahrungsmittelsicherheit, Wassermanagement und die Umwelt haben. Wir müssen uns vorbereiten.»

 

Mit Extremereignissen hatten dieses Jahr schon etliche Weltgegenden zu kämpfen: Dürren, Fluten, Brände, Stürme und Bergstürze. Weil der auftauende Permafrost die Berge ins Rutschen bringt, In der Schweiz herrschen laut Bundesamt für Umwelt nur gerade noch auf rund fünf Prozent der Landesfläche. Seit 30 Jahren verzeichnet man eine Zunahme kleinere Felsstürze. Deshalb sollen jetzt die Ursachen auch für happigeres Bergerutschen erforscht werden. 

 

Ein Team der Technischen Universität Aachen ist beim Ortsstockhaus oberhalb von Braunwald im Kanton Glarus mit Forschungsarbeiten betraut. Es hat an strategischen Stellen Mess- und Überwachungsgeräte installiert, um die Bewegungen im Berg genauestens zu messen. So etwa die Türme des Kärpf, die auf der anderen Talseite stehen. Weil das Eis taut, bewegen sich Felszonen dort 60 bis 100 Zentimeter pro Jahr. 

 

Ingenieurgeologe Florian Amann warnt, das rutschende Gesteinsvolumen habe das Potenzial für einen grossen Bergsturz. Deshalb ist auch die Grundlagenforschung so wichtig: «Es ist höchste Zeit, denn der Permafrost taut schon länger auf. Wer wissen will, was das mit den Bergen macht, muss jetzt messen und nicht erst in ein paar Jahren.»

 

Warnungen also von allen Seiten. Das birgt die Gefahr, dass mensch überzeugt ist, es sei ohnehin zu spät, um den Klimawandel aufzuhalten. Vielleicht wird deshalb so viel geflogen wie eh und je, werden Klimaschutzmassnahmen politisch verzögert und verwässert. Auch der im Herbst angesetzte Klimagipfel gibt kaum Anlass zur Hoffnung auf entscheidende Durchbrüche, angesichts des Austragungsortes und des Gipfelvorsitzenden. Da kann nur schwarzsehen, so viel Erdöl umgibt diesen Gipfel.

Christa Dettwiler