Strompreis Schweiz

Erneuerbare Energie gibt’s in Hülle und Fülle. Nur nutzen wir erst einen Bruchteil davon. Insbesondere die Schweiz hinkt vielen anderen Ländern hinter her, vor allem was die Sonnenenergie angeht. Dennoch gehört die Zukunft den Erneuerbaren.  

 

Energieliefernde machen den Strompreis

In der Schweiz gibt es gegen 600 verschiedene Stromanbieter. Von kleinen, gemeindeeigenen Elektras bis zu international tätigen Stromkonzernen. Während die einen Strom in der Schweiz produzieren und an ihre Endkundinnen liefern, kaufen andere die Energie auf dem freien Markt und verkaufen ihn weiter. Konsumenten können ihren Anbieter nicht frei wählen, es sei denn, sie verbrauchen mehr als 100 000 Kilowattstunden im Jahr. Dann dürfen Sie sich auf dem Strommarkt nach dem besten Deal umsehen. Haushalte sind an den lokalen Energielieferanten gebunden, und der macht den Preis.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Die Kosten für eine Kilowattstunde Strom setzt sich aus drei Komponenten zusammen: die gelieferte Energie (Energietarif), der Stromtransport vom Kraftwerk bis zum Konsumenten (Netznutzungstarif), Abgaben ans Gemeinwesen sowie zur Förderung der erneuerbaren Energien und zum Schutz von Fischen und Gewässern (politische Abgaben). Am teuersten ist der Stromtransport. Er schlägt mit rund 40 % zu Buche, der Strompreis mit

ca. 35 %, die Abgaben mit 25 %.

Unterschiedliche Energietarife

Der Energietarif ist von Anbieter zu Anbieterin unterschiedlich. Er hängt vor allem davon ab, wie der Strom produziert oder eingekauft wird. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Stromverbrauch von 4 500 kWh zahlte letztes Jahr 918 Franken im Jahr. In der Kleingemeinde Gondo, im Wallis, betrug die Rechnung jedoch nur gerade 250 Franken. Wer dagegen Kundin der Bernischen Kraftwerke (BKW) ist, musste 1 240 Franken auf den Tisch legen. Die Anbieterin wechseln, so wie beim Mobilfunk, geht nicht – ausser man ist Grosskunde.

In der Schweiz produzierter Strom ist teuer

Die frappanten Unterschiede liegen vor allem darin begründet, woher der Strom stammt. Wird er auf dem europäischen Markt eingekauft, ist er wesentlich billiger als wenn er in der Schweiz produziert wird. Kauft ein Anbieter also Strom etwa von Alpiq oder Axpo, die zu Marktbedingungen anbieten, zahlt er weit weniger als eine BKW, die den vollen Produktionspreis ihres selbst produzierten Stroms berechnet. Die aktuellen Gestehungskosten für Schweizer Strom liegen deutlich über dem Marktpreis.

Netznutzungstarif: Die Konsumentin zahlt den Unterhalt

Der Netznutzungstarif beinhaltet die Kosten für Bau, Betrieb und Unterhalt der schweizweiten Stromnetze. Kosten, die dem Endverbraucher aufgebürdet werden. Die Tarifstruktur ist von StromVG und Strom VV genau vorgegeben. Mit einem Drittel schlagen die Kapitalkosten, d.h. Abschreibungen, der bestehenden Infrastruktur (Leitungen, Unterwerke, Transformatorstationen) zu Buche. Die Verteilnetzbetreibende dürfen einen kleinen Gewinn von aktuell rund 1,3 % vom Umsatz erzielen. Fällt er höher aus, muss er in den folgenden Jahren über tiefere Tarife an die Konsumenten zurückgehen. 

Abgaben: für Fische und Erneuerbare

Der Bundesrat legt jährlich fest, wie hoch die Abgabe zur Förderung erneuerbarer Energien (KEV/EVS, EIV, Investitionsbeiträge, Marktprämie) und zum Schutz der Gewässer und Fische ist. Der Betrag ist in der ganzen Schweiz gleich hoch. Mit der Energiestrategie 2050 wurde dieser Netzzuschlag auf 2,3 Rp./kWh erhöht.

Kommunale und kantonale Abgaben

Daneben existieren kommunale und kantonale Abgaben und Gebühren. Dabei kann es sich beispielsweise um Konzessionsabgaben oder lokalpolitische Energieabgaben handeln. Während in einigen Gemeinden keine solchen Abgaben anfallen, betragen sie in anderen bis zu 7 Rp./kWh.

Ökostrom: Mehrwert inbegriffen

Strom aus der Sonne besteht, wie anderer Strom auch, aus Elektronen und erfüllt die gleichen Funktionen wie jeder andere Strom. Aber er bietet einen ökologischen Mehrwert – eine besondere Stromqualität. Die Solarstrom-Elektronen schwimmen mit im grossen europäischen Strom-Ozean, ihr Mehrwert wird separat gehandelt, als garantierter Herkunftsnachweis.

 

Den physikalischen Gesetzen geschuldet, kann Strom aus erneuerbaren Quellen nicht an individuelle Steckdosen geliefert werden. Wer Ökostrom kauft, bezahlt also für das «öko» im Strom. Kundinnen haben die Garantie, dass Energiemenge, für die sie bezahlen auch tatsächlich in der vereinbarten Zeit und Qualität produziert und ins europäische Stromnetz eingespeist wird.

Atom- und Kohlestrom durch Ökostrom ersetzen

Konkret heisst das: Jede Kilowattstunde verkaufter Ökostrom ersetzt eine Kilowattstunde Atom- oder Kohlestrom. Wer Solarstrom kauft, verhindert die Produktion von nicht erneuerbarer Energie. Bei Solarspar beträgt der ökologische Mehrwert zurzeit 7 Rappen. Damit ist der Solarstrom in vielen Fällen billiger als der Standard-Strommix der meisten Energieanbieter.