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Apocalypse Fatigue

Food Waste in der Schweiz

Leiden Sie an «Apocalypse Fatigue»? Hat Sie die anschwellende Flut der Klimakatastrophenwarnungen ausgebrannt? Können Sie das Wort Klimawandel nicht mehr hören, ohne dass der Blutdruck steigt. Ziehen Sie bei Nachrichten über die Erderwärmung gleich die Decke über den Kopf? 

Sie sind nicht allein. Tatsächlich sind Sie in derart guter Gesellschaft, dass sich ein ganzes Feld von Forscherinnen und Fachleuten um die Auswirkungen der beunruhigenden Klimanachrichten auf die menschliche Psyche kümmert. Der norwegische Psychologe und Ökonom Per Espen Stoknes hat fünf klassische Reaktionen auf die Flut von schlechten Nachrichten ausgemacht:

 

  1. Distanz: Eisbären, Antarktis, Korallenriffe, Waldbrände im Amazonas ... Alles weit, weit weg, irgendwo auf der Welt, hat mit mir direkt nichts zu tun.
  2. Weltuntergang: Lähmende Angst, Antriebslosigkeit, Resignation. Es ist sowieso zu spät, man kann nichts mehr tun.
  3. Dissonanz: Ich kenne zwar die Fakten, handle aber nicht danach. Ich weiss, dass es blödsinnig ist, mit EasyJet für ein paar Franken nach Barcelona zu fliegen, tue es dennoch. Denn – die anderen sind noch viel schlimmer, nicht wahr?
  4. Leugnen: Ist doch alles bloss ein Hype, völlig übertrieben. Ist zwar schon ein bisschen warm, aber so was gab es schon immer.
  5. Identifikation: Als Konservative ist mir ein starker Staat ein Gräuel, jede regulatorische Geste eine Drohung. Ich lasse mir doch nicht vorschreiben etc. etc.

Wir alle wissen, wie leicht sich die Vernunft austricksen lässt. Es gibt Hunderttausend gute Gründe und eine Million Ausreden, wider besseres Wissen zu handeln. Per Espen Stoknes schlägt fünf Ansätze vor, wie die klassischen Reaktionen umgekehrt werden können. 

 

Der Distanz setzt er soziale Nähe entgegen und zeigt den Erfolg anhand von Photovoltaik-Anlagen. Wenn eine Hausbesitzerin ihr Dach in ein Sonnenkraftwerk verwandelt, ist die Tendenz, dass Nachbarn nachziehen gross. Und plötzlich wird aus etwas völlig Neuem eine neue Normalität. Dem Weltuntergang stellt er Unterstützung entgegen. Anstatt von Klimakatastrophe könnte man auch von Weltgesundheit sprechen, von neuen Jobmöglichkeiten, von neuen technischen Chancen. Dissonanz verkehrt sich in einfache Handlungen, Leugnen kontert er mit smarten Ideen, wie Erfolg und Fortschritt visualisiert und kommuniziert werden können. Identifikation setzt er Geschichten von Menschen, die handeln, entgegen. Heldengeschichten.

 

Handeln befreit aus der Machtlosigkeit und aus der Angst – selbst kleine, einfache Handlungen. Probieren Sie’s aus.

 

Christa Dettwiler