Ausser Rand und Band
03. Oktober 2022
Was in den letzten Tagen und Wochen im Schweizer Parlament energietechnisch verhandelt und beschlossen worden ist, lässt manch eine trümmlig zurück. Es scheint, als hätte ein Teil der vom Volk Gewählten alle Hemmungen abgelegt und grosse Lust daran entwickelt, endlich einmal so richtig die Sau rauszulassen, während ein anderer Teil damit beschäftigt ist, an den fetten Kröten, die es zu schlucken gilt, nicht zu ersticken.
Endlager ohne Ende
26. September 2022
Die Würfel sind also gefallen. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hat ein stilles Örtchen gefunden, wo sie den Schweizer Atommüll für einen unvorstellbar langen Zeitraum bombensicher verbuddeln will. Die Würfel sind auf ein Gebiet nahe der deutschen Grenze gefallen. Nördlich Lägern klingt nach irgendwo im Nirgendwo. Doch auch dort gibt’s viel Natur, leben viele Menschen, und die fragen sich: «Warum hier?».

Zweifelhafter Solarboom
19. September 2022
Einen «genialen Morgen» erlebte FDP-Ständerat Ruedi Noser letzte Woche. Der Rest der Welt reibt sich verwundert die Augen. Trotz aller Schwarzseherei hat der Ständerat dem indirekten Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative zugestimmt – mit so vielen Konzessionen, dass selbst die Initiantinnen zufrieden sind und zurückziehen. Zudem befand der Rat über eine Solarpflicht für alle Neubauten. Darüberhinaus will er Solaranlagen in hochalpinen Gebieten zulassen. Eitel Sonnenschein also? Nicht ganz.
Axpo: verzockt
12. September 2022
«It seemed like a good idea at the time.» Das ist die Standardantwort auf Fragen, warum man irgendwann eine fragwürdige Entscheidung getroffen hat. Es schien zu jenem Zeitpunkt eine gute Idee zu sein. Doch Zeiten haben es so an sich, dass sie sich ändern. Und damit ändern sich auch die Marktbedingungen. Auf dem europäischen Strommarkt zum Beispiel. Damals (also grad eben), wurde die Kilowattstunde Strom zu Schundpreisen von ein paar Rappen verschleudert. Heute kostet sie mehrals 1000 Rappen.

Survival Guide der andern Art
05. September 2022
Der Startschuss für die Öko-Bewegungen fiel vor 50 Jahren. 1972 zeigte der Club of Rome der Welt «Die Grenzen des Wachstums» auf. Das Fazit: Wenn sich die globale Wirtschaftsweise nicht ändere, würden Umwelt, Ökonomie und Lebensqualität im 21. Jahrhundert zusammenbrechen. Jetzt meldet sich die weltweite Vereinigung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erneut zu Wort. Weil ihre Warnungen bekanntermassen ungehört verhallten, kommt der neue Bericht als «Überlebensratgeber» daher.
Unterschriften für die Katz
29. August 2022
Skigebiete schlagen kollektiv Alarm, weil der Schnee aus Kanonen unbezahlbar wird. Unternehmen fallen ob tausendprozentigen Strompreisaufschlägen in Ohnmacht. Nicht einmal einen über den Durst trinken geht mehr: Kohlensäure, ein Abfallprodukt der Düngerherstellung und entscheidend für ein gutes Bier, wird knapp, weil Hersteller:innen wegen der hohen Strompreise die Produktion herunterfahren oder ganz einstellen. Nur im Thurgau schaut ein Dorf gelassen zu, wie die Welt in Scherben fällt.

Gemeinsam für das Klima
22. August 2022
Die Energieversorgung hat sich endgültig als Krisenthema etabliert. Sie produziert jedenfalls die allermeisten Schlagzeilen in jüngster Zeit. Der oberste Polizist der Schweiz befürchtet gar Unruhen, Aufstände und Plünderungen, wenn der kalte Winter kommt. In ihrem neuen Übersichtsbericht zur Energieversorgung der Schweiz schlagen die Schweizer Akademien der Wissenschaft wohltuend ruhige Töne an. Und in der Stadt Zürich wird ein spannendes Klimaprojekt auf die Schienen gerollt.
Oben Sonne, unten Wein
15. August 2022
Und weiter geht’s mit den guten Nachrichten – ja sogar mit der «wohl positivsten Meldung des Jahres». Das sagt kein Geringerer als der deutsche Klimajournalist Franz Alt. Er meint damit das 370 Milliarden Dollar schwere Programm, das letzte Woche haarscharf an den geschlossenen republikanischen Gegenstimmen vorbei durchs US-Parlament geschrammt ist.

Zurück in die Zukunft
08. August 2022
Die Aussage von UN-Generalsekretär Antonio Guterres könnte simpler nicht sein: «Das Festhalten an fossiler Energie ist Selbstmord.» Im Gespräch mit Euronews fügte er lakonisch an: «Und ich hoffe, die Menschen werden verstehen, dass Selbstmord nicht gerade der beste Weg ist, um die Zukunft zu meistern.» Genau das scheinen aber aktuell viele Menschen, einflussreiche Menschen, Menschen, die die politischen Weichen in die Zukunft stellen, nicht zu verstehen.
Ab sofort: Sonne systemrelevant
01. August 2022
Aber ja doch, es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Mitten in der Sommerhitze kommt Post von ewl Luzern. Der Energieversorger teilt mit: «Es freut uns, Ihnen mitzuteilen, dass ewl energie wasser luzern die Einspeisevergütung für Stromrücklieferungen per 1. Juli 2022 von 5 auf 13 Rappen pro Kilowattstunde erhöht hat.» Damit steigt ewl rasant auf in der Liste der Elektrizitätswerke, die einheimischen Solarstrom anständig vergüten.

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